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Rundbrief Dezember 2022 PDF Drucken E-Mail

                                                                                     

Liebe Freunde, 

wie im Juli-Rundbrief versprochen, sollt ihr nun Näheres über unsere Arbeit erfahren, unser neues Konzept und weitere wichtige Neuerungen. 

 

Tres Soles: 

Aus vielerlei Gründen, u.a. politisch motiviert, (ich habe darüber berichtet) konnte unser Projekt Tres Soles, so wie es konzipiert war, nicht mehr weitergeführt werden und wir mussten deshalb für jedes Kind Ende Jahr 2021 ein neues Zuhause finden. Seitdem werden sie von uns auch weiterhin in finanzieller und pädagogischer Hinsicht betreut; das gilt auch für das kommende Jahr 2023! 

Uns war von Anfang an klar, dass nicht alle Bedürfnisse der Kinder in ihrem neuen Zuhause oder nur notdürftig erfüllt werden können. Wir versorgen sie deshalb mit Schulmaterial, Kleidung, Schuhen, im Krankheitsfall usw. entsprechend ihren Bedürfnissen. Für die Teilnahme am virtuellen Unterricht war Voraussetzung, dass die Kinder ein Handy besaßen, was bedeutete, dass wir zwei Kinder mit einem Handy ausstatten mussten. Zum wesentlichen Bestandteil unserer Besuche bei den Kindern gehören der Geburtstagsbesuch einschließlich der traditionellen Tres Soles Geburtstagstorte und der Besuch zu Weihnachten mit einem kleinen Geschenk von uns. Es ist für uns sehr befriedigend zu sehen, dass sich alle Kinder und Jugendlichen in ihrem neuen Zuhause stabilisiert haben und es ihnen gut geht. Die Kinder wurden in fünf verschiedenen Heimen untergebracht: Providencia, Tiquipaya Wasi, Rosa de Sarón, Arco Iris, Cristo Rey und Niños con Valor. Drei Geschwisterpaare leben wieder in ihren Familien.

Das Arco-Iris-Heim bat uns auf Grund unserer langjährigen Erfahrung um einen mehrtägigen Karten-Workshop, in dem die Jugendlichen lernen sollten, wie man Karten herstellt und bemalt. Da sich das Heim Arco Iris in einer besonders schlechten finanziellen Lage befindet, kam es ebenfalls mit der Bitte beziehungsweise Anfrage auf uns zu, ob unser Psychologe Alexej nicht einigen Jugendlichen dort Therapien anbieten könne. Diesen Bitten sind wir natürlich gerne nachgekommen.

Wie man sich denken kann, mussten wir auf Grund der Veränderungen unseren Mitarbeiterstab verkleinern und einige Betreuerinnen und Betreuer freistellen, was nie unproblematisch ist. Alle haben jedoch zu unserer grossen Erleichterung die angebotenen Sozialleistungen und Abfindungen akzeptiert. Allerdings könnten sie bis zu zwei Jahren nach Freistellung noch Ansprüche beim Arbeitsamt geltend machen, was hohe Kosten verursachen würde. Leider haben wir mit einer Mitarbeiterin schon seit Jahren Probleme und müssen für die Anwaltskosten und eine Abgangsentschädigung jedes Jahr Rückstellungen bilden. Der Fall wird derzeit vor einem Arbeitsgericht verhandelt. Hoffen wir, dass das Verfahren zu unseren Gunsten ausgeht, aber das Justizsystem in Bolivien ist sehr langsam und korrupt, und unangenehme Überraschungen sind nicht auszuschließen. 

Leider hat uns auch in diesem Jahr Corona das Leben schwer gemacht, was vor allem für die Besuche bei den Kindern galt. Wir haben versucht, öffentliche Verkehrsmittel zu meiden. Unsere Mitarbeiter Alexei und Christian stellten uns dafür ihre Privatfahrzeuge zur Verfügung, so dass trotz aller Einschränkungen jedes Kind mehrere Male besucht werden konnte. 

 

Luis Espinal: 

In den letzten Monaten hat sich das Leben im Studentenwohnheim Luis Espinal allmählich wieder normalisiert. Mehrere Studenten und Lehrlinge sind zum Präsenzunterricht zurückgekehrt, was auch eine Rückkehr in das Wohnheim bedeutete. Insgesamt 22 junge Menschen erhielten ein Stipendium für die Ausbildung und die Verpflegung. Trotz der schwierigen Umstände haben sechs Frauen und Männer ihre Ausbildung in folgenden Berufen abgeschlossen: Wirtschaftsingenieurwesen, Informatik, Finanzingenieurwesen, Betriebswirtschaft, Politikwissenschaften und Biochemie/Pharmazie. Was uns besonders freut, ist der Umstand, dass sich unter ihnen Ruth Fernández befindet, die ein Studium zum Wirtschaftsingenieurwesen gemacht hat. Sie ist eine ehemalige Bewohnerin der Kinder- und Jugendwohngemeinschaft Tres Soles und die jüngere Schwester von Margarita und Omar, die uns 2013 auf unserer Theatertournee begleitet haben. Auch wenn die genannten Berufstitel hochgestochen klingen und in keiner Weise mit nordamerikanischem oder europäischem Niveau zu vergleichen sind, finden wir dies doch eine beachtliche Leistung.

 

Und nun zu den Neuigkeiten:

Auf Bitten der Schule Arturo Quitón und der Organisation Indigo Sol wurde ein Programm zur Unterstützung von Kindern, die von der Covid-19-Pandemie betroffen sind, mit täglichem Mittagessen und Nachhilfeunterricht 

eingerichtet. Zu diesem Zweck steht seit April das leerstehende Haus der ehemaligen Kinder- und Jugendgemeinschaft Tres Soles zur Verfügung.Es gibt jetzt viele “Covid-Waisen” und die von der Pandemie verursachte Wirtschaftskrise hat die finanzielle Grundlage vieler Familien zerstört. 

Indigo Sol ist eine Organisation, die von meiner Frau Guisela und unserer Tochter Fanny gegründet wurde. Die Bewilligung der Rechtspersönlichkeit und der Statuten durch die Regionalregierung von Cochabamba steht kurz vor dem Abschluss. Der zweijährige Prozess wurde von einer Rechtsberatung begleitet, um sicher zu gehen, dass alles absolut legal ist. Die Idee ist, Indigo Sol unsere Häuser zu übergeben, wenn der Vertrag mit dem Aussenministerium 2024 ausläuft, damit sie weiterhin für soziale Aktivitäten genutzt werden können, wie zum Beispiel für das Studenten- und Lehrlingsheim Luis Espinal oder den Mittagstisch und die Aufgabenhilfe für die Corona-Waisen. Mit Hilfe von Indigo Sol konnten wir nicht nur die nötigen Lebensmittel organisieren, sondern auch stundenweise eine Köchin anstellen. 

Da es sich bei Indigo Sol um eine rein bolivianische Organisation handelt, ist seitens der staatlichen Behörden alles weit weniger kompliziert und bürokratisch. Im Gegensatz dazu war Tres Soles nach den Statuten eine Schweizer Organisation und wurde deshalb als ausländische Einrichtung von den bolivianischen Behörden seit der Machtübernahme von Evo Morales systematisch diskriminiert und schikaniert. 

Auf diese Art können wir verhindern, dass die Häuser nach Auflösung des Projekts Tres Soles in fremde Hände kommen, denn genau das wäre nach Ablauf des Vertrages mit dem Aussenministerium geschehen. Immerhin haben die Gebäude mit der Zeit einen beträchtlichen, finanziellen Wert bekommen und es wäre schade, wenn sie nicht entsprechend sinnvoll genutzt werden könnten. Dazu kommt, dass es unser Lebenswerk ist und man so etwas nur ungern weggibt.

Abschied von St. Konrad/Neues Spendenkonto: 
Wie alle wissen, hätte Tres Soles wohl nie all die Jahrzehnte überstehen können, wenn es nicht die Pfarrei St. Konrad in Mannheim gegeben hätte mit dem Eine-Welt-Kreis und seiner Vorsitzenden Magda Keller, die sich über Jahrzehnte hinweg unermüdlich für Tres Soles engagiert hat und Hermine Haag, Buchhaltung u. Spendenquittungen, die sicherlich hunderte von Kilometern auf ihrem Weg zum Pfarramt, um die Spendenquittungen zum Verschicken abzuholen, hinter sich gelegt hat. 

Aus Kirchen rechtlichen Gründen muss nun das Tres Soles Spendenkonto zum 31.12.2022 geschlossen werden. Allerdings konnten wir ohne bürokratischen Aufwand zu einem bereits bestehenden sehr vertrauenswürdigem Spendenkonto wechseln. Es handelt sich um den Bolivienverein INTI RUNA (www.intiruna.org), gegründet 1993, dessen Vorsitzender der Fotograf Ludwig März ist. Für uns war es ein Glücksfall, dass wir ihn auf der Theatertournee 1999 in Zwingenberg kennengelernt haben, denn seitdem wird Tres Soles von dem Verein jedes Jahr durch seinen Kalenderverkauf großzügig unterstützt. Der Verkaufserlös als auch jede Spende gehen bei dem Verein stets zu 100% an seine Projekte, so dass sich auch in dieser Hinsicht nichts ändert. Das noch vorhandene Restgeld auf dem Mannheimer Konto wird zum Jahresende ebenfalls auf das Konto von INTI RUNA überwiesen. Wichtig: Gelder, die nach dem 31.12.2022 auf das Mannheimer Konto eingehen, werden an den Auftraggeber zurück überwiesen und nicht an INTI RUNA weitergeleitet! Die vierteljährlichen Zahlungen für das benötigte Budget werden künftig von INTI RUNA und dem Verein Tres Soles Schweiz im Wechsel überwiesen. Letzterer unterstützt Tres Soles ebenfalls seit drei Jahrzehnten. An dieser Stelle bitte ich mir nachzusehen, dass ich nicht weiter auf die geleistete Arbeit des Missio-Eine-Welt Kreis in St. Konrad, Mannheim eingehe. Zu gegebener Zeit wird das nachgeholt. 

Unsere Spendenkonten:

Deutschland: Neu                                                                                                  

INTI RUNA                                                                                          Verein Tres Soles Schweiz                                                                          
Bezirkssparkasse Bensheim (BLZ 509 500 68)                               PC-Konto Nr. 17-16727-4                           
IBAN: DE85 5095 0068 0001 0131 35                                               Tres Soles                            
SWIFT: HELADEF1 BEN                                                                     CH-1660 Château-dÓex      
Kennwort: Spende Indigo Sol

Bitte vollständige Adresse zwecks Spendenbescheinigung angeben
www.intiruna.org 
1.Vorsitzender Ludwig März, Tel.: 06251-75580 
Buchhaltung: Werner Schmidt, Tel.: 06150 – 14978

Wir können nur immer wiederholen, dass ohne eure grosszügige Hilfe, positive Energie und aufmunternden Rückmeldungen unsere lange Arbeit (in diesem Jahr sind es 33 Jahre) nicht möglich gewesen wäre. Vielen, herzlichen Dank für alles!

Liebe Grüsse aus Bolivien,

Stefan und Guisela

 

Artesanías- oder Buchbestellungen könnt ihr gerne entweder an

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www.tres-soles. de                                    www.stefan-gurtner.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Jährliches Treffen des Vorstands von Tres Soles Schweiz und der Verantwortlichen der Unterstützergruppe in Mannheim PDF Drucken E-Mail

Am 22.10.2022 fand wieder einmal das jährliche Treffen des Vorstands von Tres Soles Schweiz und der Verantwortlichen der Unterstützergruppe in Mannheim statt.
Es war nach einem Jahr ein herzliches Wiedersehen mit den Familien Köhli und Heumann (Vorstand von Tres Soles Schweiz), den Familien Keller und Haag (Missio-Eine-Welt-Kreis, Pfarrei St. Konrad, Mannheim) und Sabine Jorkowski.

Trotz des schönen Wetters haben wir mehrere Stunden in einem separaten Raum in der Gaststätte Krautwickel zusammengesessen und über die anstehenden großen Veränderungen diskutiert, die teils abgeschlossen, teils in Entstehung sind. Später, bei Kaffee und Kuchen auf der Terrasse haben wir erneut festgestellt, dass persönliche Treffen wichtiger sind als Videokonferenzen. In diesem Sinne haben wir beschlossen auch in 2023 ein Treffen in Mannheim zu organisieren.

 
Generalversammlung Tres Soles Schweiz 2022 PDF Drucken E-Mail

Auch in diesem Jahr fand wieder eine GV statt, dieses Mal in Zürich. Esteban Guttentag hatte dort einen Besprechungsraum im Café Boy organisieren können. Bei tropischer Hitze trafen wir uns zu einem gemeinsamen Mittagessen, wenige Minuten vom Versammlungsort entfernt. In entspannter Runde wurden hier schon Gespräche über Themen rund um Tres Soles und Luis Espinal geführt.

Insgesamt nahmen 9 Mitglieder an der Versammlung teil. Im Gegensatz zum letzten Jahr in Saanen, der Heimat von Stefan Gurtner, waren dieses Mal deutlich weniger Mitglieder anwesend.

Nach ca. 1,5 Stunden waren alle Themen der Traktandenliste besprochen.

Wir verabschiedeten unseren langjährigen Vorsitzenden Walter Köhli in den wohlverdienten Ruhestand, da er auf eigenen Wunsch aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Amt entlassen werden wollte. Das Projekt Tres Soles und Stefan Gurtner danken ihm herzlich für seinen engagierten Einsatz und sein offenes Ohr für alle Belange rund um Tres Soles und das Studenten-und Lehrlingsheim Luis Espinal. Walter Köhli war von 2012-2022 Präsident des Vereins Tres Soles-Schweiz. Das Projekt Tres Soles und Stefan Gurtner danken ihm herzlich für seinen engagierten Einsatz und sein offenes Ohr für alle Belange rund um Tres Soles und das Studenten-und Lehrlingsheim Luis Espinal in den vergangenen zehn Jahren.

Als Nachfolgerin wurde sein Ehefrau Ursi Köhli einstimmig für ein Jahr bis zur nächsten ordentlichen GV gewählt.

Auch Esteban Guttentag, der Schatzmeister von Tres Soles-Schweiz, wäre gern aus persönlichen Gründen vorzeitig aus dem Vorstand ausgeschieden. Da es aber keine Nachfolge gab, erklärte er sich bereit bis zur nächsten GV im Amt zu bleiben.

Am Nachmittag trennte sich die Gruppe wieder, in der Hoffnung im nächsten Jahr alle gesund wiederzusehen.

 
Omar Callisaya auf Theatertournee PDF Drucken E-Mail

Omar Callisaya ist ein ehemaliger Solesianer, der seit seiner frühen Kindheit bis zum Abschluss seiner Ausbildung an der Theaterschule in Sta. Cruz ein Mitglied von Tres Soles war. Der  Schauspieler war 2020 nicht nur auf dem Hamburger Festival in dem Film „Chaco“ zu sehen sondern auch in der Schweiz in dem erfolgreichen Stück „Palmasola“. Das in Fachzeitschriften vielbesprochene Stück handelt von einem Gefängnis namens Palmasola in Sta. Cruz, einem „der berüchtigsten Knäste“ der Welt! Wegen der Pandemie musste die Tournee jedoch abgebrochen werden.
Anfang des Jahres 2022 (28.-30. 01.,Kammerspiele, München/ 4.- 6. 02.,Berlin, Theater Ballhaus Ost) konnte die Tournee endlich fortgesetzt werden.
Barbara und Stefan Heumann, unsere Freunde und Verantwortlichen für die Internetseite, denen wir an dieser Stelle herzlich für ihren unentwegten Einsatz danken, haben die Aufführung in München gesehen.

Hier ist ihr interessanter Bericht:

Aufführungsort ist eine große Halle, die mehr oder weniger leer ist. Das Stück beginnt schon im Vorraum, wo wir dichtgedrängt auf den Einlass in das „Gefängnis“ warten. Jeder erhält (von Omar als Polizist) einen Stempel auf die Hand, den man nicht entfernen darf, da man sonst nicht mehr aus der Halle (dem „Gefängnis“) kommt.
In der Halle angekommen vermisst man Stühle, auf denen man sitzen kann. Indem wir in der Halle herumstehen oder -laufen, spielen wir unbewusst die Gefangenen im Knast. Vier Schauspieler (3 Bolivianer bzw. Bolivianerinnen und ein Deutscher) spielen um uns herum, spielen zwischen der Menge und zwingen die Gefangenen (Theaterbesucher) hin und her zu laufen, zu sprinten oder sich auch nur zu drehen, um das Geschehen zu verfolgen. Die Stadt im Gefängnis ist in Sektionen eingeteilt. Diese spärlichen Bühnenaufbauten der Sektionen sind an verschiedenen Ecken der großen Halle zu finden. Die Brutalität, die die Schauspieler überzeugend zeigen, ist schon sehr bedrückend. Die Akteure sind die brutalen Anführer unterschiedlicher Gangs, die die Gefangenen, also uns Theaterbesucher, permanent drangsalieren und für ein bisschen Freizügigkeit Geld fordern. Ständig sind wir Zuschauer in Bewegung, um immer auf Höhe der Handlung zu sein. Manchmal muss man aufpassen, nicht umgerannt zu werden. Toll gemacht – nur für Wirbelsäulengeschädigte, wie mich, etwas schmerzhaft. Ich habe aber die 100 min tapfer überstanden. Einige Zuschauer haben sich entlang der Wände, dort wo es Platz gab,  hingesetzt. Man konnte auch einen angebotenen Klappstuhl mit sich herumtragen, was aber bei der Bewegung des Stückes eher nicht sinnvoll war. Der Beifall war gigantisch. Es war wirklich eine tolle Performance. Die Schauspieler spielten in Spanisch, aber die deutsche Übersetzung wurde an drei Seitenwände projiziert. Nach Ende der Vorstellung konnte man an die Akteure, an einen Journalisten (offensichtlich Bolivianer), an den Regisseur und an den Produzenten  Fragen stellen. Wir waren erstaunt, wie viele Zuschauer davon Gebrauch machten. Gegen 22:30h (Beginn war 19:30h) ging ein tolles Erlebnis zu Ende.

 

 
Rundbrief Dezember 2021 PDF Drucken E-Mail

image1.png         Dezember 2021

Liebe Freunde,

wie immer um diese Jahreszeit folgt mein Bericht über das Jahr, das zu Ende geht und  das in jeder Hinsicht, wie ihr euch sicher vorstellen könnt, ein ganz besonderes Jahr für uns war. Bedingt durch die Pandemie und die erneuten Quarantänen und Halbquarantänen konnte die Arbeit auch dieses Jahr  nur unter schwierigsten Umständen durchgeführt werden, wie ihr euch vorstellen könnt. Die Schulen sind bis jetzt immer noch geschlossen. Es gab zwar digitalen Unterricht, der aber nur sehr schlecht funktionierte, weil das Internet instabil ist und viele Menschen nicht die nötigen Geräte haben. Für unsere Kinder mussten wir die Computer von Tres Soles und Luis Espinal zusammenlegen, Kopfhöhrer und Mikrofone kaufen und unsere Handys zur Verfügung stellen, damit sie dem Unterricht beiwohnen konnten.
Ausserdem musste stundenweise ein Assistent eingestellt werden, um den Betrieb der Technik zu gewährleisten. Im April, zwischen der zweiten und dritten Corona-Welle, hatte jemand die geniale Idee, die Schüler gruppenweise in die Schule zu zitieren, um Prüfungen zu schreiben und Hausaufgaben abzuholen.
Prompt hat sich während dieser Gruppenaktivitäten in der Schule eines unserer Kinder mit dem Coronavirus angesteckt. Fünf Kinder und fast das gesamte Personal wurden daraufhin krank, auch meine ganze Familie und ich. Wie durch ein Wunder war unsere Enkelin Lucia die Einzige, die verschont wurde. Die betroffenen Kinder mussten auf Anweisung des Jugendamtes für drei Wochen im Covid-Isolierungszentrum von Quillacollo interniert werden. Guisela erwischte es am Schlimmsten und musste mit Sauerstoff versorgt werden. Schon vor dem Ausbruch der Krankheit hätte ich mich ausserdem wegen eines Leistenbruchs operieren lassen sollen, was immer wieder verschoben wurde, bis es wirklich nicht mehr ging und es praktisch notfallmässig geschehen musste. Aus diesem Grund musste ich mehrere Wochen meiner Arbeit fern bleiben, aber jetzt geht es uns allen wieder wesentlich besser.
Die Aktivitäten in Tres Soles gingen natürlich weiter, wir konnten ja nicht einfach schließen, aber sie wurden auf ein absolutes Minimum reduziert. Die Einhaltung der strengen Schutz- und Hygienemassnahmen waren sowohl für die Kinder als auch für die Betreuer mühsam. Unsere Kinder haben schon unter normalen Umständen Probleme mit der Hygiene, weshalb ich oft in diesem Zusammenhang von einem „Kleinkrieg“ gesprochen habe, der als Ziel Sauberkeit und Ordnung hatte. Der eine oder andere von euch mag sich daran erinnern. Auch die Einkäufe und das Kochen fanden genau wie 2020 unter erschwerten Umständen statt. Wenn kein Gas vorhanden war, wurde eben im Hof auf dem Feuer gekocht. Zum Glück standen uns erneut unsere Tochter Fanny und unser Schwiegersohn Christian mit ihrem Auto zur Verfügung. Ohne ihre Mithilfe wäre eine Fortsetzung der Arbeit praktisch unmöglich gewesen und das Projekt sowie unsere Arbeit in Tres Soles hätten womöglich im letzten Jahr ein plötzliches, jähes, aber vor allem ungeplantes Ende gefunden, wobei ich beim nächsten Thema bin.Im Sommer-Rundbrief habe ich bereits ausführlich von unseren Plänen und den bevorstehenden Veränderungen in Tres Soles berichtet. Tatsächlich ist es uns gelungen, für alle Mädchen und Jungen angemessene Bedingungen der Unterbringung zu finden, ob im Heim oder in der Familie. So, wie es aussieht, werden uns also die letzten Kinder zum Jahresende verlassen.
Was uns sehr entgegen kommt, sind die Bedingungen, die das Jugendamt an uns stellt. Es muss sichergestellt sein, dass es für mindestens ein Jahr eine soziale und rechtliche Nachbetreuung  der Kinder und Jugendlichen geben wird. Sie fordern „dass möglicherweise anfallende materielle oder moralische Bedürfnisse dieser Kinder in ihrem neuen Zuhause gedeckt werden müssen. Natürlich ist das reiner Eigennutz, da es ihnen sicherlich in erster Linie um die finanziellen Mittel geht, aber uns gibt es die Möglichkeit die Kinder und Jugendlichen auch weiterhin in ihren Bedürfnissen begleiten zu können, so dass sie sich nicht allein gelassen fühlen müssen. Überdies müssen anhängige Verfahren, was den Austritt aus dem Register des Jugendamtes, des Arbeitsministeriums, der Altersvorsorge, der Krankenversicherung und der Steuerbehörden betrifft, abgeschlossen werden. Auch wird möglichen Ansprüchen oder Klagen auf Sozialleistungen für die ehemaligen Betreuer nachgegangen werden, da es leider immer wieder Leute gibt, die die Lage ausnutzen und höhere Abgangsentschädigungen und Sozialleistungen einfordern wollen, als ihnen gesetzlich zustehen. Für die Durchführung all dieser genannten Aktivitäten werden weiterhin vier Mitarbeiter nötig sein: Guisela in der Koordination, eine Sozialarbeiterin, ein Psychologe und ein Rechtsberater. Eine weitere, im Moment zweitrangige Aufgabe wird die Frage der künftigen Nutzung des Hauses sein, das Eigentum von Tres Soles ist. Nicht alles war jedoch nur Covid und  Bürokratie in diesem Jahr. Im September, als die dritte Welle abflaute, konnten wir dank einer Freundin, die jährlich einen zweckgebundenen Betrag spendet, einen zweitägigen Ausflug zu einem See in der Nähe von Cochabamba organisieren. Wir mieteten drei Bungalows exklusiv für uns und waren also sozusagen in einer sicheren „Blase“. Nach so langer Zeit des „Eingesperrtseins“ konnten die Kinder und Jugendlichen endlich wieder einmal etwas Freiheit schnuppern und am Strand herumtoben. Zwar war das Wasser zum Baden zu kalt, aber es gab Boote, die gegen eine geringe Gebühr ausgeliehen werden konnten. Guisela und ich sassen am Abend lange mit den Kindern vor dem Kamin, um ihnen noch einmal in aller Ruhe die Gründe für unser Vorgehen zu erklären, während Fanny und Christian ein leckeres Grillgericht zubereiteten. Wir glauben, dass dieser Ausflug uns allen sehr gut getan hat.
Was das Studenten- und Lehrlingsheim Luis Espinal betrifft, so war das Haus auch dieses Jahr bis auf zwei Auszubildende wenig bewohnt, da alle ihre Ausbildung mittels digitalem Unterricht von zu Hause aus fortgeführt haben. Die Studien- und Verpflegungszuschüsse fielen natürlich dennoch an ebenso wie die Kosten für das Haus und die Betriebskosten wie Löhne, Büromaterial, Reinigungsmaterial, Reparaturen usw. Wie ich bereits im Sommer-Rundbrief schrieb, wird die Arbeit im Studenten- und Lehrlingsheim ganz normal wie immer fortgeführt. In diesem Sinn möchten wir unseren Appell, den wir schon im letzten Rundbrief ausgedrückt haben, wiederholen:
Bitte unterstützt uns weiterhin, es gibt noch vieles zu tun, sowohl für die Kinder und Jugendlichen der Kinder- und Jugendwohngemeinschaft Tres Soles als auch im Studenten- und Lehrlingsheim (Spendenkonto s. unter Spenden).
Was leider durch Covid ein bisschen untergangen ist, ist die Tatsache, dass  das Studenten- und Lehrlingsheim dieses Jahr  25 Jahre alt geworden ist. Von 1996 bis 2008 wurde es von dem Jesuitenpater Antonio Sagristá  verwaltet, ab 2009 ist es Teil von Tres Soles.
Auch wäre es schön, wenn ihr an uns in diesen schwierigen Zeiten denkt, damit wir alles richtig machen und wir diese wichtigen Schritte und Veränderungen ohne grössere Probleme hinter uns bringen können. Ohne eure grosszüge Hilfe, positive Energie und aufmunternden Rückmeldungen, gerade auch nach dem letzten Rundbrief, wäre unsere Jahrzehnte lange Arbeit nicht möglich gewesen (in diesem Jahr sind es 32 Jahre). 

Vielen, herzlichen Dank dafür!

Liebe Grüsse aus Bolivien,
Stefan und Guisela

 

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1. Die Straßenkinder von Tres Soles/ 2. Das Kinder- und Jugendprojekt Tres Soles/ 3. Doña Isidora und ihre unglaublichen Geschichten-Familiensaga/ 4. Guttentag–Das Leben des gleichnamigen jüdischen Verlegers/ 5. Der verkaufte Fluss-Freilichttheater/6. Die Abenteuer des Soldaten Milchgesicht–Historischer Roman/ 7. Das grüne Weizenkorn – Eine Parabel aus Bolivien/ 8. Krumme Pfote – Ein Hund erzählt von vier Straßenkindern - vergriffen/ 9. HAUTNAH–Das Leben und grausame Sterben des Luis Espinal-ein Jesuitenpater, der für seine Überzeugungen brannte und sie ohne Rücksicht auf seine Person lebte.
Artesanías- oder Buchbestellungen gerne an:
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 www.tres-soles. de                     www.stefan-gurtner.de

 
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